Schon
weit aus der Ferne war zu erkennen, dass sich Klüsserath wieder
einmal die Trachtengruppen ein Stelldichein gaben. Hoch in den
Weinbergen über dem Dorf hatten Helfer die Landesflaggen der
teilnehmenden Gruppen angebracht.
Mit gleicher Liebe zum Detail wurde die Festhalle geschmückt, die
dem Folklore-Gala-Abend einen würdigen Rahmen gab. Die Gala geriet
zum Fest der Nationen, bei dem deutsche, holländische,
österreichische, belgische, britische und Schweizer Trachtenträger
miteinander feierten.
Die Vorsitzenden der Klüsserather Winzertanzgruppe, Yvonne Orth
und Markus Jakobi, ehrten Mitglieder der 1969 gegründeten
Winzertanzgruppe für zehn- bis 25-jährige Mitgliedschaft. Paul
Diendorf wurde für seine 30-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt.
Authentizität zeichnete den Gala-Abend aus. Die Trachtengruppen
vermittelten einen Eindruck aus dem kulturellen Leben ihrer
Vorfahren. Dies fing bei der Kleidung an: So trug die erste Gruppe,
"De Krekkel" aus dem niederländischen Enschede, historische Trachten
des 18. Jahrhunderts. Ihre Programm-Nachfolger, die österreichische
Trachten- und Schuhplattlergruppe Hörbranz, wusste mit einer Show
das Publikum einzubinden und zu begeistern. Die Tänzer brachten das
Landleben auf die Bühne. Sie hackten Holz, sägten an mitgebrachten
Baumstämmen, rangelten, rauften und tranken, was das Zeug hielt.
Einige Herren aus den vorderen Reihen wurden auf die Bühne
geführt, um mit hochgekrempelten Hosenbeinen und mit geöffneten
Hemden mitzutanzen. "Das war eine Gaudi", lobte Willi Rock, ein
Zuschauer, der auf der Bühne mittanzte.
Eine überzeugende Leistung boten auch die belgische und britische
Gruppe sowie die Gast gebende Winzertanzgruppe . Die Stimmung in der
Halle kochte, als die norddeutsche "Seelter Dons un Drachtenkoppel"
aus Sater-Scharrel als Zugabe den Zillertaler Hochzeitsmarsch tanzte
und spielte.
Laute Peitschenschläge kündigten die letzte Trachtengruppe an:
die Gruppe "Tallüt vo Schwyz" aus der Schweiz. Seit 1979 gehört sie
fest zum Programm. Die Klüsserather würdigten diese langjährige
Freundschaft, indem die Winzer-Tänzer, mit Schweizer Kuhglocken
behangen, in die Halle mit einzogen. Während sich im Publikum die
Trachten bereits gemischt hatten und auch Willi Rock mit einigen
Holländern Freundschaft geschlossen hatte, warfen die Schweizer
kunstvoll ihre Fahnen in die Höhe und spielten das Alphorn.
"Das ist einfach wundervoll", schwärmte Albert Genger,
passionierter Trachten-Fotograf. Er zieht von Fest zu Fest und ist
Folklore-Berater des niederländischen Tanz- und Trachtenbunds. Der
Experte, der seit 1997 nach Klüsserath kommt, ist von der Qualität
des Trachtentreffens überzeugt. Genger: "Ich komme immer wieder
gerne hierhin."